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Kollegiale Beratung – So funktioniert erfolgreiches Coaching unter Kollegen
Michael Bethke ist Leiter Engineering Center der BOS GmbH & Co. KG, Stuttgart.
Im Interview mit dem "Praxishandbuch leiten führen motivieren (VOR)" erklärt Herr Bethke, warum die Methode der "kollegialen Beratung" ein gutes Coaching-Instrument ist.
Coaching unter Kollegen erleichtert den Führungsalltag
VOR (Praxishandbuch leiten führen motivieren – Das Handbuch für den Vorgesetzten): Probleme lauern im Führungsalltag zuhauf: Sei es die Auseinandersetzung mit einem teamunfähigen Mitarbeiter oder ein Projekt, das einfach nicht rund laufen will. Natürlich holen sich verantwortungsbewusste Führungskräfte da auch Tipps von Kollegen. Ist das schon „kollegiale Beratung?“
Michael Bethke: Natürlich ist das Einholen von Tipps, zum Beispiel beim gemeinsamen Mittagessen in der Kantine, auch eine Form der kollegialen Beratung. Aber der Begriff meint mehr. Bei der Methode „Kollegiale Beratung“ handelt es sich um ein Coaching unter Kollegen mit fest verabredeten Strukturen und Spielregeln.
VOR: Wie sehen diese Spielregeln genau aus?
Michael Bethke: Fünf bis acht Kollegen, möglichst nicht in hierarchischer Abhängigkeit, treffen sich in regelmäßigen Abständen. Es gibt eine feste Zeitvorgabe (60 bis 90 Minuten), man verteilt am Anfang die Rollen (Wer sucht Rat? Wer moderiert? Wer berät?), dann beginnt der Rat Suchende mit der exakten Darstellung seines Problems.
Er erzählt ungestört, danach stellen die „Berater“ Verständnisfragen, anschließend sammeln sie in der Analysephase alles, was ihnen zu dem Fall einfällt, in Form eines Brainstormings. Schließlich geht es in die Phase der Lösungsfindung:
Handlungsalternativen werden erarbeitet, der Rat Suchende hört zu und macht sich Notizen. Welche der angebotenen Lösungen er später umsetzt und ob überhaupt, ist seine Sache – der Kollegenkreis beschäftigt sich nur dieses eine Mal und nur in dieser festgelegten Struktur mit dem Problem.
VOR: Wie finden Sie Kollegen, die für diese anspruchsvolle Beratungsaufgabe geeignet sind?
Michael Bethke: Das ist in der Tat nicht so einfach.Wird die Methode von der Unternehmensleitung gefördert, gibt es zumeist einen externen Berater, der geeignete Gruppen zusammenstellt und die ersten Beratungsrunden als Trainer und Moderator begleitet.
Ich selbst bevorzuge eine unternehmensübergreifende Form des Kollegen-Coaching. Mein Beraterkreis besteht aus ehemaligen (Studien-)Kollegen und Freunden, mit denen ich mich oft nur per Telefonkonferenz bespreche.
Der Vorteil: Die Zusammenarbeit ist sehr vertrauensvoll, man kennt sich gut – aber keiner ist zu stark in den Job des anderen involviert. So können wirklich innovative Problemlösungen entstehen. Wichtig: Suchen Sie nach Personen, die den mentalen Horizont und die Kompetenz haben, Sie zu beraten. Und mit denen Sie eine gewisse Vertrauensbasis verbindet, denn nur dann ist man bereit, einander auch wirklich zu helfen und sich bei der Suche nach Problemlösungen anzustrengen.
Kollegiale Beratung vor allem vor schwierigen Entscheidungen hilfreich
VOR: Für welche Problemstellungen ist die kollegiale Beratung geeignet?
Michael Bethke: Für alle (Führungs-) Situationen, in denen ich an die Grenzen meiner eigenen Entscheidungskompetenz stoße. Wenn ich befürchte, eine Fehlentscheidung zu treffen oder mit einer Entscheidung eine Lawine an negativen Folgen loszutreten, macht es Sinn, den Beraterkreis einzuberufen. Das kann zum Beispiel bei der Vorbereitung eines Jahresgesprächs der Fall sein oder bei der Frage nach der angemessenen Reaktion auf einen Mitarbeiter, der stets aus der Reihe tanzt.
Natürlich hat die Methode auch ihre Grenzen: Private Themen sollten ebenso wenig besprochen werden wie allgemeine Fragestellungen oder fachliche Dinge. Persönlich von dem Fall betroffene Personen sollten nicht in der Gruppe sitzen, akute Konflikte lassen sich dadurch auch nicht bewältigen.
Der Rat Suchende muss das Problem wirklich exakt schildern. Und es braucht schon eine gewisse Lernkultur, um eine „kollegiale Beratertruppe“ zu gründen und am Leben zu erhalten.
VOR: Herr Bethke, wir danken Ihnen für dieses Interview.
Weitere Informationen zum Thema Coaching und Beratung finden Sie im "Praxishandbuch leiten-führen-motivieren".






