Bessere Führungskraft durch Management by Mediation?

Dr. Cristina Lenz
Dr. Cristina Lenz

Dr. Cristina Lenz ist Wirtschaftsmediatorin BMWA (www.bmwa. de), Schlichterin als eingetragene Gütestelle und seit mehr als 15 Jahren Trainerin, Coach, Anwältin, Universitätslektorin und mehrfache Buchautorin.

Von ihr sind Werke wie „Business Mediation – Einigung ohne Gericht“ im Verlag moderne industrie, Landsberg, 1999, oder „Management by Mediation – Konfliktmanagement in Unternehmen und Organisationen“ im Ulrich Leutner Verlag, Berlin 2007 erschienen.

Management by Mediation ist die Führungsqualifikation der Zukunft

VOR (sicherführen - erfolgreich leiten und motivieren in der Praxis): Frau Dr. Lenz, was verstehen Sie unter „Management by Mediation“?

Dr. Cristina Lenz: Management by Mediation ist die Führungsqualifikation der Zukunft. Es ist die Kombination aus den Techniken der Mediation in Verbindung mit klassischer Führungskompetenz. Das bedeutet, dass eine als Mediator geschulte Führungskraft zum einen Konflikte zwischen den eigenen Mitarbeitern durch geeignete Kommunikation und frühzeitige Interventionen schon im Ansatz vermeiden kann. Zum anderen, dass der Chef in der Lage ist, vermeidbare Konflikte zu deeskalieren, das heißt zu erkennen, wann ein Konflikt nicht mehr sinnvoll mit unternehmensinternen Mitteln geregelt werden kann und es effektiver ist, einen externen Mediator oder Mediatorin hinzuzuholen.

VOR: Warum kommt der eigene Vorgesetzte dann als Mediator nicht in Frage?

Dr. Cristina Lenz: Mediation ist eine neutrale Vermittlung. Ein Vorgesetzter ist immer in der Rolle der Führungskraft und kann daher nie neutral sein. Der Chef hat Entscheidungskompetenz, der Mediator bzw. die Mediatorin gerade nicht. Den Entscheider – sei es der Vorgesetzte oder zum Beispiel ein Richter – will man dahingehend überzeugen, dass man Recht hat. In der Mediation geht es um die Regelung und Lösung eines Konflikts. Das bewirkt eine andere Dynamik. Eine Mediation im klassischen Sinn ist daher als Chef nicht möglich.

Mediation durch den Vorgesetzten selbst ist in der Regel nicht möglich

Was der Chef aber in Perfektion tun kann, wenn er entsprechend geschult ist, ist Management by Mediation und Case Developing, das heißt die Mediation voranzubringen. Der Chef kann beurteilen, ob die unternehmenseigenen Methoden ausgeschöpft sind und eine Mediation eine geeignete Vorgehensweise wäre. Er kann den neutralen Dritten von außen einschalten.
Eine Ausnahme bildet die Mediation in anderen Abteilungen des Unternehmens, also dort, wo Sie nicht Vorgesetzter sind und – das ist ganz wichtig – die Akzeptanz der Medianden finden. Je größer ein Unternehmen ist, desto leichter ist dies möglich.

VOR: Wie können Führungskräfte Management by Mediation lernen?

Dr. Cristina Lenz: Zurzeit bieten wir – die CC Academy der CC Consulting – dieses neue, speziell für Führungskräfte konzipierte Programm exklusiv an. Wer diese Fortbildung hat, kann bei Interesse – darauf aufbauend – die gesamte Wirtschaftsmediationsausbildung absolvieren.

VOR: Welche Vorkenntnisse oder Eigenschaften sollte eine Führungskraft mitbringen, um Management by Mediation im Team umzusetzen?

Dr. Cristina Lenz: Ein guter Ansatz ist zunächst schlicht die Erfahrung als Führungskraft und die Erfahrung, wie es vorher in der Position eines Angestellten war. Wenn das noch verbunden wird mit einer reflektorischen Auseinandersetzung und dem Bewusstsein für kontinuierliche Entwicklung, dann ist das ideal. Selbstkompetenz als eine Schlüsselqualifikation ist nämlich nicht erlernbar wie eine Technik, sondern ein Teil der Persönlichkeitsentwicklung, der sich in einer guten Mediationsausbildung oder dem Training Management by Mediation wie ein roter Faden durchzieht. Führungskräfte, die sich ihrer Fähigkeiten und Schwächen bewusst sind und ihr Verhalten reflektieren, sind in der Lage, das Verfahren sowie sich und die Medianden beziehungsweise die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Blick zu halten und angemessen in der Situation zu handeln. Dies bedingt eine fortlaufende kritische Selbstbetrachtung inklusive Anpassung an neue Erkenntnisse.

Führungskompetenz durch Mediation

VOR: Inwiefern profitieren Führungskräfte von einer Mediationsausbildung?

Dr. Cristina Lenz: Wenn es den Vorgesetzten gelingt, durch ihre Haltung und ihren mediativen Führungsstil sich selbst und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen konstant zu motivieren und unnötige Konflikte zu vermeiden, schafft das eine Arbeitsatmosphäre für Höchstleistungen. Energien werden dann produktiv eingesetzt und das wirkt sich direkt auf das Unternehmensergebnis aus. Für Führungskräfte ist es also mehr als nützlich, den Anforderungen an einen Mediator zu entsprechen. Management by Mediation hilft, Führungskompetenz auf- und auszubauen. Als Vorgesetzter werden Sie täglich davon profitieren.

VOR: Frau Dr. Lenz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Weitere Infomationen und Tipps für Führungskräfte finden Sie in "sicherführen - erfolgreich leiten und motivieren in der Praxis".

 

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